Gross bist du nur

Gross bist du nur in den Augen andrer
die Achtung hast du dir im Zorn erflucht
Doch dir selber bist du nur ein Wand'rer
der die Ränder seiner Karte sucht

So streifst du durch Gebirge und Gestein
durch Gräser, Sträucher, Flüsse, Wind und Wald
Aber selber bist du dir allein
bist dir Ebenbild, Gegner und Gestalt

In deiner Hand ist alles kalt und klein
uns kannst du mit breiten Füssen treten
Ja, wir sind einsam, gemeinsam allein
doch wir können zu was Gröss'rem beten

Wir armen Menschlein sind nur arm
bis wir uns mit dir vergleichen
Wir geben uns gegenseitig warm
du - du musst dich an dir selber eichen

Ja, wir tragen staubige Gewänder
sind Teil von der dir eigenen Natur
so durchströmst du weiter uns're Länder
und kommst dir langsam selber auf die Spur

Daniel Stricker, 1998